Hochzeitsfotografie im Schloss Wolfsbrunnen bei Eschwege

Amanda Baumbach aus Treffurt


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Meine zehnte Türgeschichte. Wenn auch ihr Teil meiner Türgeschichten werden möchtet, meldet euch gern bei mir.

Amanda Baumbach (89), Rentnerin aus Treffurt

 

Mein Alltag sieht seit einem Jahr gleich aus. Zeitung lesen, Fernsehen, mein kleiner Haushalt.“ Amanda Baumbach ist 89 Jahre alt – im Juli feiert sie ihren 90. Geburtstag. Unterstützung in alltäglichen Dingen erfährt sie von einem Pflegedienst und ihrer Familie, insbesondere ihrer Tochter Petra und Enkel Leon.

Seit ich wieder in Treffurt wohne – seit drei Jahren – besuche ich die Tagespflege im Alten- und Pflegeheim in Treffurt. Man wird morgens zu Hause abgeholt und am Nachmittag wieder sicher nach Hause gebracht. Wir unterhalten uns, tauschen uns unter Gleichaltrigen aus – einige kenne ich von früher noch“, erzählt sie freudestrahlend. „Aber seit Monaten hat die Tagespflege geschlossen. Mir fehlen meine sozialen Kontakte, das gemeinsame leckere Frühstück oder Mittagessen oder auch ab und zu das Nickerchen anschließend im Ruheraum. Wenn sie nur wieder aufmachen würden!“ Das ist neben dem Wunsch, noch lange gesund zu bleiben wohl derzeit einer der größten Wünsche der Rentnerin.

Meine Highlights sind der Friseur oder der Blumenladen in Treffurt.“ Aber das geht nicht spontan, denn die 89-Jährige ist nicht mehr so gut zu Fuß. Kurz vor der Öffnung der Tagespflege nach dem letzten Lockdown stürzte sie unglücklich und zog sich im Juni einen Oberschenkelhalsbruch zu. Sie ist glücklich, das überstanden zu haben. “Mir geht es gesundheitlich gut.“ Im Februar ist sie zum sechsten Mal Uroma geworden. Aber fast alle Enkelkinder wohnen mit ihren Familien weiter weg. Und so konnte sie die kleine Amalie nur mal kurz im Kinderwagen bestaunen – mit Abstand am Balkon – nicht mit Wiegen im Arm.

Meine Mutter besitzt kein Smartphone, beherrscht keine Videotelefonie oder kann mal schnell eine Whatsapp versenden“, erzählt Tochter Petra, die sie fast täglich besucht und versucht, ihr den Alltag immer mal wieder aufzuheitern. „Es sind die Gespräche mit Gleichaltrigen, die ihr fehlen, vor allem die Aktivitäten in der Tagespflege“, erzählt sie.

Amanda Baumbach denkt positiv. Und möchte mit dieser Türgeschichte sagen: „Uns gibt es auch noch! Die alten Menschen, die nicht in Heimen leben sondern auf sich gestellt, allein zu Hause.“ Dafür ist sie sehr dankbar, momentan aber eben auch sehr einsam. „Ich bin schon zweimal geimpft, wie viele meiner Bekannten aus der Tagespflege auch.“ Umso schwieriger ist es nachzuvollziehen, dass keine Öffnung in Sicht ist. Sie denkt an alle 15 Weggefährten und hofft, dass alle gesund bleiben und sie sich bald wieder sehen können.

Danke für Ihre Geschichte.